Karibuni tena – Willkommen zurück in Tansania

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Mehr Fotos und aktuelle Arbeiten von mir gibt es immer hier zu sehen.

8. Tag, Samstag

Heute verabschieden wir uns von Robert, Sabine, Marina und Michael. Sie machen sich auf den Weg zur Weiterreise in das Landesinnere oder zurück nach Hause. Für Alle war die Zeit bei Mavuno eine weiterbringende und inspirierende Erfahrung.

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Es ist wirklich beeindruckend, wie Menschen, welche Anfangs selbst in dieser misslichen Lage waren, über Jahre so eine Gemeinschaft geschaffen haben, ihr Projekt soweit ausgedehnt und schon so vielen Menschen geholfen haben. 1993 schlossen sich dazu einige Dorfbewohner, mit der Hoffnung die Lebensumstände ihrer Familien zu verbessern, zum Studium einer nachhaltigen Landwirtschaft zusammen. Mittlerweile ist das Ziel der NGO die Stärkung der Gemeinschaft in der gesamten Region, wobei die vorhandenen Ressourcen so effektiv wie möglich für eine nachhaltige Entwicklung genutzt werden sollen – und das ohne jegliche Art von Vorurteilen. Deshalb setzt sich Mavuno auch besonders für die Förderung und Bildung von oft benachteiligten Frauen ein.

Die Organisation ist im gesamten Gebiet von Karagwe und Kyerwa bekannt. Inzwischen sind Dörfer mit über zwei Stunden Fahrzeit Entfernung in das Projekt integriert. Nicht nur Mavuno Bauern profitieren von dem Konzept, auch die Nachbarn der integrierten Bauern werden durch die sichtliche Verbesserung des Lebensstandards erreicht und nehmen die verschiedenen Konzept auf.

 

Warum die Menschen nicht selbst wissen, wie sie ihr Land produktiv bewirtschaften können? Warum sie das nicht von ihren Vorfahren gelernt haben, fragen wir uns natürlich auch. Damals haben Kolonialmächte wie Deutschland und England Monokulturen von Bananen und Mais in das Gebiet eingeführt. Durch den einseitigen Anbau waren die Pflanzen allerdings besonders anfällig für Schädlinge und Trockenheit. Auch die Bodenfruchtbarkeit nahm ab. Daraus ergibt sich eine oft nur einseitige, sehr einfache Ernährung. Die Lebenserwartung der Menschen war gering und Eltern konnten ihr Wissen über die Landwirtschaft an ihre Kinder nicht ausreichend weitergeben. Außerdem hatten und haben viele Menschen keinerlei Bildungsmöglichkeiten, da bis heute nur wenige Schulen in der Gegend vorhanden sind, die Familien nicht genügend finanzielle Mittel für das Schulgeld haben und die Kinder zur Unterstützung der Familie in der Landwirtschaft oder beim Wasserholen nicht zur Schule gehen können. Die zunehmende, auch durch den Klimawandel bedingt Trockenheit an den Hängen Nordwesttansanias und die daraus resultierenden Ernteausfälle kommen hinzu, wodurch häufig auch das Saatgut für die nächste Saison verringert wird.

 

7. Tag, Freitag
Ausflug zu den neuen Dörfern von Mavuno

Heute können wir alle zusammen verschiedene Dörfer von Mavuno besuchen. Wir fahren ca. zwei Stunden über rote Pisten, durch Bananenwälder und schließlich fast bis an die Grenze zu Ruanda. Die Dörfer dort sind letztes Jahr, teilweise sogar erst vor ein paar Monaten Mavuno beigetreten. Bei Jedem der besuchten Bauer wird ein Formular ausgefüllt und festgehalten wie weit ihr Vorhaben schon fortgeschritten ist.

 

 

Wir können bereits deutlich die Unterschiede zu den Feldern der anderen Bauern ohne eine nachhaltige Bewirtschaftung erkennen. Meist besitzen die Bauern Felder zwischen zwei bis drei Hektar Größe, wobei am Anfang 1/4 Hektar als Testfeld angelegt wird. Der Boden wurde mit Heu bedeckt und alte Bananenblätter wurden liegen gelassen, sodass die Erde sich nicht so stark durch die Sonne erhitzt und der Boden nicht austrocknet, sondern feucht gehalten wird. Wenn es regnet kann der Boden dadurch mehr Wasser aufnehmen. Außerdem wurden abwechselnd Wassergräben und Kompostgräber mit ca. 8 m Abstand angelegt. Da sich die Felder meist auf steilen Hängen befinden, halten die Gräben als natürliches Bewässerungssystem das Wasser, um es langsam versickern zulassen. In den Kompostgräben werden Bananenblätter, anderen Grünabfälle und Asche gemischt. Bereits nach einen Monat erhält man so nährstoffreichen Kompost. Teilweise befinden sich auch zwischen den einzelnen Bananenpflanzen solche Kompostlöcher, die direkt die Pflanzen bis zu fünf Jahre ernähren. Auch haben die Bauern gelernt, Pflanzenschädlinge auf natürliche Weise abzuwehren. So wird bei Bananen nach dem Abschlagen eines Stamms, dieser mit Erde bedeckt. Teile des abgeernteten Stammes bleiben nur mit Bananenblättern bedeckt liegen, um die eindringenden Käfer später abzulesen. Auch zermahlener Tabak wird gegen Schädlinge verwendet.

 

 

Trotzdem dauert die Erhöhung des Ernteertrags naturgemäß zumindest eine Saison. Meistens wurde benannte, dass sich die Bohnenernte bereits vervierfacht hat! Dennoch haben sie Blähbäuche meist durch Wurmbefall, da sie immer noch ihr Trinkwasser aus dreckigen Wasserlöchern holen müssen. Hilfestellungen zum Ausbau von Regenwasserzisternen, oft auch durch Ingenieure ohne Grenzen, erhalten sie nach und nach. Die Menschen leben in einfachen Lehmhütten, die Anziehsachen zerrissen. Zumindest in wunderschöner Natur, die sie nun durch Mavuno zu nutzen lernen.

 

 

Besonders ergreifen war ein Bauer, der erst seit kurzem bei Mavuno Mitglied ist und ca. 2,5 Hektar Land besitzt. Er hat mit seiner Frau fünf Kinder, die in die Schule gehen und somit keine weitere Unterstützung für den Ackerbau oder zum Wasser holen sind. Nachdem er stolz seine vorbereitete Rede über die Zusammenarbeit mit Mavuno gehalten hat, zeigt er uns seine Buchhaltung. Die Einnahmen des letzte Monats belaufen auf 17.500 THS, also ca. 6,60 € hauptsächlich durch die Reparaturen von Fahrrädern. Im Gegensatz dazu hat er Ausgaben durch Lebensmittel, Seife, Heu zum Abdecken seiner Felder und Öl zum Kochen in einer Höhe von 17.000 THS, was 6,40 € entspricht. Der Bauer hat also kaum einen Gewinn am Ende des Monats erwirtschaftet, auch wenn sie sich in diesem Monat etwas Fleisch geleistet haben und in anderen Jahreszeiten die Ernte sicherlich besser ausfällt. Dennoch ist es für uns sehr ergreifend, wie eine Familie die sich sichtlich bemüht, es so schwer hat, da sie von den Wetterverhältnissen abhängig sind und der Boden noch keine gute Qualität bzw. Fruchtbarkeit aufweist. Durch Mavuno kann der Bauer nach Mehreinnahmen der Ernte nun die Ziele neues Land zu kaufen, mehr Früchte anzubauen, ein besseres Haus zu bauen und seine Familie zu unterstützen verfolgen.

 

 

Den Klimawandel mit große Dürren und Verschiebung der Regenzeit spricht jeder Bauer, den wir besuchen, an. Deshalb wird auf eine hohen Biodivesität, also der Anbau von vielen unterschiedlichen Pflanzen, geachtet. Vor der Zusammenarbeit mit Mavuno gab es oft komplette Ernteausfälle. Nun kann mithilfe des zusätzlichen bereitgestellten Saatguts auf viele Pflanzen zurückgegriffen werden. So werden durch Mavuno andere Saatgutsorten wie Sorghum ausprobiert. Diese nährstoffreiche Hirseart wird traditionell bereits in anderen Gebieten Tansanias angebaut. Das Getreide wächst trotz Trockenheit sehr schnell und kann nach drei Monaten geerntet werden. Auch an den steilen Hängen der Kagera Region ist der Anbau gut möglich. Einige Bauern hatten mit der Ernte große Erfolge. Es gab Bauern für die Sorghum so nährstoffreich und lecker war, dass sie sich für die nächste Saison keine Samen aufgehoben, sondern alles gegessen haben. Sie erhalten neues Saatgut von Mavuno, werden aber daran erinnert, sich auch in knappen Zeiten immer etwas zurückzulegen – ein Lernprozess, wobei sich alle sichtlich bemühen und zusammen arbeiten. Die Bauern lernen also auch die Wiedervermehrung von Saatgut durch Mavuno. In der Regel kann man bis zu acht Saisons von den Nachkommen eines Samens zerren. Danach wird neues Saatgut verwendet, da die Qualität der Pflanzen abnimmt.

In jede Gruppe wird durch die Mitglieder eine Baumschule integriert, wovon wir eine besuchen. Die Samen und das Wissen erhalten die Bauern von Mavuno. Die Bäume werden später auf die Felder verteilt, um Erosionen zu vermeiden, für eine ausgewogene Bepflanzung anstelle von (Bananen-) Monokulturfelder, als Windschutz und zur Holzgewinnung. Dabei wird auch darauf geachtet, dass die Bäume wenig Konkurrenzdenken besitzen und mit den angebauten Obst und Gemüse gut harmonieren.

 

 

Wir fahren auch zu einer Bäuerin, die Mavuno 2012 beigetreten ist. Sie spricht davon, dass es Vorteile bietet die Waren in einem Lagerhaus zu sammeln und gemeinsam mit anderen Bauern auf dem Markt zu verkaufen. Die eigenen Hütten eignen sich oft nicht zu Lagerung, da sie zu klein sind, die Ernte schimmelt oder von Tieren gefressen werden könnte. Allerdings wurde durch ein Erdbeben das Lagerhaus zerstört und die Preise auf dem Markt werden geringer. Bei solchen Problemen können sich die Bauern an Mavuno wenden. Jedoch bezahlt sie bei einer Unterstützung nun auch etwas, da sie durch den erarbeiteten Wohlstand kein Mitglied mehr bei Mavuno ist. Sie sagt, vor Mavuno waren ihre Bananen in einem schlechten Zustand und von Schädlingen befallen. Sie hatte kein Wissen über Methoden wie dem Kompostieren, das Anlegen von Mischkulturen und Gräben zur Wasserhaltung oder Bedeckung des Bodens als Schutz vor Austrocknung. Inzwischen gehen ihre zwei Kinder sogar zur Universität.


6. Tag,
Donnerstag
Zwischen Kunst, Bildung und Permakultur

 

 

Am Donnerstag haben wir das zweite Kunstprojekt mit 20 weiteren Schülerinnen umgesetzt. Eines der Hauptfächer an der Mavuno Girls Secondary School ist AcriCulture, Landwirtschaft. Diese wird in der Theorie sowie auch in der Praxis gelehrt. Dazu gibt es an der Schule einige Felder, Gewächshäuser, Kühe, Hasen, Hühner und eine Biogasanlage.

In drei verschiedenen Fotomotiven soll die praktische Arbeit dargestellt werden. Dazu bekommen wir die verschiedenen Arbeitsschritte von den Schülern gezeigt und wir arrangieren daraus gemeinsam je ein Fotomotiv.

 

 

 

5. Tag, Mittwoch
Ein Tag an der Mavuno Girls Secondary School

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Heute ist das erste der Projekte mit den Mädchen der Mavuno Girls Secondary School geplant. Die Girls Secondary School beinhaltet mit 160 Schülerinnen die Forms I, II und III (entspricht Klasse 8 – 10). Mavuno hofft, dass sie die Schule in Zukunft noch weiter ausbauen und Bildung bis Form VI (bis Klasse 13) anbieten können. Mavuno möchte hiermit ein Zeichen setzen, da Mädchen in Tansania leider immer noch selten die Möglichkeit haben eine weiterführende Schule zu besuchen. Die meisten Mädchen beenden mit dem Erfüllen der Schulpflicht nach der 7. Klasse die Primary School.

Viele Mädchen können gar nicht zur Schule gehen, da sie bei der Feldarbeit und zum Wasserholen gebraucht werden. Die jungen Frauen sind hier in einem Internat untergebracht. Die Schulwege sind normalerweise sehr lange und beschwerlich und können oft nicht täglich bewältigt werden. Außerdem sollen sich die Mädchen so besser auf das Lernen konzentrieren, sind gut versorgt und vor der Gefahr des sexuellen Missbrauchs auf dem Weg zur Schule geschützt.

 

 

Die Tage hier für die Schülerinnen sind lang. Der straffe Stundenplan startet um 5 Uhr morgens mit dem Aufstehen. Bis 22 Uhr bzw. in der Prüfungszeit bis 23 Uhr haben die Mädchen noch „Übungszeit“. Zwischen Unterricht und Üben werden Arbeiten im Schulkomplex durchgeführt. So soll die jungen Damen lernen, Verantwortung zu übernehmen. Freizeit ist mit ca. einer halben Stunde am Tag sehr knapp bemessen. Es gibt große Schlafsäle mit vielen Betten und für Mädchen der höheren Forms ein paar Viererzimmer.

Für die geplanten Projekte mit den Mädchen der Mavuno Girls Secondary School dürfen Marian und Marina am Vormittag in einer Unterrichtsstunde für Landwirtschaft hospitieren. In der Stunde lernen die Mädchen theoretisches Wissen des landwirtschaftlichen Arbeitens. Es geht um Werkzeuge und Tierhaltung. Der Unterrichtsstil ist rein frontal – kein Wunder, bei fast 40 Mädchen in einem Klassenzimmer. Die gelernten theoretischen Inhalte wenden die Mädchen einmal die Woche praktisch auf den eigenen Feldern der Schule an.

 

 

Am Nachmittag bereiten wir unser Land Art Projekt, bei dem Jede der 20 Schülerinnen mit Naturmaterialien ein Mandala legen soll, vor. Alle helfen mit und wir sammeln zu acht Steine, Sand, lila Blüten und Stängel, gelbe, kleine Früchte, vertrocknete Tomaten, Holzschnitzel, alte Bananenblätter und andere Naturmaterialien. An der Secondary School wird normalerweise kein Kunst unterrichtet. Dies ist also eine ganz neue Erfahrung für die Mädchen. Aufgrund des straffen Zeitplans können wir nur 1,5 Stunden mit den Schülerinnen arbeiten. Somit müssen wir das Projekt ziemlich straffen. In einer kurzen Einführung zeigen wir den Mädchen ein bereits von uns gelegtes Manadala sowie andere Mandalas, die von einer deutschen Schulklasse gelegt wurden und erklären ihnen das Vorhaben.

 

 

Wir klären den Begriff Muster und zeigen ihnen Beispiele auch mit ihren einheimischen Kanga- und Kitengestoffen. Diese bunten Stoffe tragen die Frauen in Tansania häufig als Rock über einer Hose, als Tuch auf dem Kopf oder in selbst genähten Kleidern. In einer kurzen Experimentierphase legen die Mädchen selbst verschiedene Muster. Hier können auftauchende Fragen noch einmal geklärt, Muster ergänzt oder überarbeitet werden. Danach legt jede Schülerin sein eigenes Mandala – hierbei entstehen Muster, die sich von einer Mitte nach außen hin ausbreiten, wie ein Regentropfen im Wasser. Es ist eine Freude zu sehen, wie eifrig und unkompliziert sich die Mädchen gleich an die Arbeit machen. Es entstehen 20 sehr kreative und individuelle Mandalas. Am Ende bekommt jede der jungen Frauen noch eine Karte, auf der sie etwas über sich preisgeben darf bzw. welche noch mehr zur Selbstreflexion dient, u.a. was es für sie bedeutet eine Schülerin an der Mavuno Girls Secondary School zu sein.

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4. Tag, Dienstag
Ausflug zu den Bauern von Mavuno

Sandra, eine Projektreferentin der Dreikönigsaktion von Österreich, ist im Volontärhaus eingetroffen. Jährlich sammelt die DKA Spenden mithilfe der kleinen Sternsinger für Mavuno. Deshalb prüft Sandra die Fortschritte des Projekts und erarbeitet gemeinsam mit Mavuno das weitere Vorgehen. Jessica kann am Vormittag an einer Besprechung mit neun weiteren Projektleitern über die aktuelle Lage, Probleme und Chancen von Mavuno teilnehmen.

 

 

Grundsätzlich sollen durch Mavuno die Bauern lernen, wie sie sich selbst ernähren und zusätzlich Geld durch beispielsweise dem Verkauf ihrer Ernte für die Bildung ihrer Kinder und zur Verbesserung ihrer Lebensstandards erhalten können. Das Projekt basiert auf einer nachhaltigen Landwirtschaft, die wir auch unter Permakutur verstehen. Es soll gemeinsam mit der Natur nicht gegen sie gearbeitet werden. Sie wollen nicht die gleichen Fehler wie wir begehen und die Natur auslaugen, sondern in einer verträglichen Weise für Mensch, Tier und Umwelt ihrem Umgebung nutzen. Die Menschen schließen sich zu einer Gemeinschaft zusammen, so dass sie voneinander lernen und profitieren können.

Derzeit sind 623 Bauern in 63 Gruppen Mitglied bei Mavuno. Da besonders auf die Förderung von Frauen geachtet wird, nehmen mit 371 ziemlich viele Frauen die Ernährung ihrer Familie in die Hand. Man kann davon ausgehen, dass durch die Unterstützung und Weiterbildung von Mavuno ca. acht Personen pro Mitglied ernährt werden können. Damit profitieren knapp 5.000 Menschen von dem Projekt, wobei sich einige Bauern bereits unabhängig von Mavuno ernähren können und einen gewissen Wohlstand erreicht haben. Sie erfahren durch andere Mitglieder oder Nachbarn von Mavuno, auch Radiowerbung wurde schon gestartet.

 

 

Am Nachmittag besuchen wir verschiedene Farmer und sind bei einer Gruppenbesprechung dabei. Durch Mavuno werden nicht die einzelnen Farmer ausgebildet, sondern in mehreren Gruppen innerhalb eines Dorfs die Arbeit konzentriert. Bei der von uns besuchten Gruppe ist sogar eine Frau die Leiterin, was auf Nachfrage an die Männer durch eine demokratische Wahl auch unterstützt wurde. Sogenannte Focal Farmers werden besonders intensiv ausgebildet. Da mittlerweile die einbezogenen Dörfer schon über zwei Fahrstunden vom Office entfernt liegen, können die Bauern bei Fragen auf diese zurückgreifen. Die Focal Farmers werden durch die monatlichen Beiträge der Bauern entlohnt.

Im Mavuno Office werden verschiedene Seminare angeboten. Oft kommen an Samstagen über 200 Menschen aus den Dörfern zusammen, um voneinander zu lernen und Erfahrungen auszutauschen. Mavuno kommt auch für die Verpflegung an diesen Tagen auf. Ein Kurs zum Erlernen der nötigsten Rechtschreib- und Rechenweisen soll in Zukunft für Erwachsene angeboten werden. Denn ein Bestandteil des Projekts ist es, dass die Bauern ein Buch über die Ein- und Ausgaben anlegen sollen. Generell werden immer wieder die Fortschritte der Bauern und neue Erkenntnisse dokumentiert. Eine Bäuerin hat beispielsweise durch den Austausch in eine andere Region gelernt aus Bananenblätter Spiralbeete anzulegen und testet nun den Gemüseanbau damit.

So werden von den Bauern auch Weiterbildungen zur Lebensmittellagerung, Kostenplanung, Saatgut, Tierhaltung, Biodiversität, Kompostherstellung, Heilkräutern, Krankheiten, Klimawandel, Mischkulturen, Verarbeitung von neuen Sorten, ausgeglichene Ernährung, Schädlingsbekämpfung, Gründüngung, Nahrungssicherung, Bau und Unterhaltung von Wasserzisternen, Hygiene, Umweltbewusstsein, Kinderunterstützung, Wasserbeschaffung und Bienenhaltung durchlaufen.

 

 

Im Gegenzug zu den Seminaren und die Unterstützung zahlen die Bauern einen monatlichen Beitrag, wobei dieser innerhalb des ersten Jahres auf bis zu 2.000 TSH (ca. 0,75 €) pro Monat aufgestockt wird. Auch können sich die Bauern einen kleinen Kredit geben lassen, um die Startkosten für Mitgliedschaft, Saatgut und Investitionen oder die Schulbildung zu decken. Durch die nachhaltige Landwirtschaft erhöhen sich ihre Erträge und sie können später das Geld zurückzahlen.

Viele Bauern haben kaum die Möglichkeit eigenständig aus ihrer Misere herauszukommen. Sie und ihre Kinder müssen bis zu 10 km mehrmals täglich laufen, um aus dreckigen Wasserlöchern ihr Trinkwasser zu holen. An die Bewässerung der Felder ist nicht zu denken. Für uns kaum vorstellbar. Sie haben kein Geld, um in die Bildung ihrer Kinder oder neues Saatgut zu investieren. Außerdem liegen die Dörfer oft zu abgelegen, um ihre Waren zu verkaufen. Dürre- oder zu regenreichen Zeiten machen Ihnen das Leben noch schwerer.

 

 

 

3. Tag, Montag
Ein Rundgang auf dem Schulgelände der Chonyonyo Girls´s Secondary School

Neben Unterstützung der Bauern hat sich Mavuno zur Aufgabe gemacht insbesondere die schulische Bildung von Mädchen zu fördern. Barbara zeigt uns am nächsten Tag das Schulgelände der Mavuno Girls´s Secondary School in Chonyonyo, auf dem sich auch das Volontär-Gebäude befindet. Hier wurden zahlreichen Zisternen u.a. von Ingenieure ohne Grenzen e. V. errichtet. Das gesammelte Regenwasser wird mit einer Reinigungsanlage aufbereitet.

 

 

In der Nähe des Mavuno Offices, welches zwei Stunden zu Fuß entfernt liegt, wurde im Dezember 2017 Wasser mit einer guten Trinkwasserqualität gefunden. Am 10. August konnte feierlich mit über 500 Leuten der Ausbau eines Leitungsnetzes zu einem weiteren Dorf und auch zur Secondary School eröffnet werden. Die Pumpen der 10 km langen Strecke werden mit Solaranlagen betrieben. Diese Trinkwasserleitung ist einer der ersten in der Region. Üblicherweise müssen Frauen und Kinder meist eine Stunde zu einem Wasserloch laufen, um dort unsauberes Wasser zu holen. Auch deshalb haben einige Kinder keine Zeit und Möglichkeit zur Schule zu gehen. Außerdem können Menschen aus den angrenzenden Dörfer Wasser von der Schule für wenig Geld bekommen. Dieses Geld wird für Reparaturen und Kontrollprüfungen eingesetzt.

 

 

Wir erfahren von Marianne, dass Mavuno in Verbindung mit Ingenieure ohne Grenzen Wasserzisternen in verschiedenen Dörfern baut. Dazu wird ein Vertrag zwischen den Organisationen, dem Dorf- und dem Schulleiter geschlossen. Die Bewohner bringen sich während der ein- bis zweimonatigen Bauzeit durch Baumaterial und Verpflegung der aus der Region stammenden Arbeiter ein. Nach Fertigstellung der Zisterne sind die Bewohner und die Schule für die Unterhaltung und Wartung verantwortlich. Bei Problemen sollen sich die Menschen selbst helfen können oder sich falls erforderlich an Mavuno wenden. Somit sind sie nicht abhängig von externer Hilfe. Sie werden in die Arbeiten einbezogen und lernen durch das gemeinsame Projekt Verantwortung zu übernehmen.

 

 

Neben der Trinkwasseranlage und den Wasserzisternen befinden sich auch eine Baumschule, ein Selbstversorgungsschulgarten, Gewächshäuser sowie Tiere wie Hasen, Hühner und Kühe auf dem Schulgelände. Mit den Bioabfällen von Menschen und Tieren wird eine Biogasanlage betrieben. Das Gas wird zum Kochen und zur Warmwasserversorgung genutzt.

Die Gewächshäuser wurden aufgrund der hohen Baukosten bisher nur an der Schule und beim Mavuno Office angelegt. Die Erträge erhöhen sich zwar im Vergleich zu den herkömmlichen Feldern, eine Bewässerung der Gewächshäuser ist jedoch durch die Trinkwasserknappheit nicht möglich. Dafür wird das anfallende Regenwasser der Dächer gesammelt und zur Bewässerung genutzt.

 

 

Am Voluntärhaus befindet sich mit einer Abfüllstation von Honig ein weiteres, künftiges Standbein der Bauern. Nächste Woche erhält Mavuno in Zertifikat zum Verkauf des Honigs. Außerdem dienen die Bienen zur Bestäubung der Pflanzen.

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Schlussendlich treffen wir auch noch auf ein paar Schülerinnen. Sie sind natürlich aufgeregt uns zu sehen -gerade weil Marian bei uns ist. 2015 hat er eine Wand mit 100 Figuren im Schulgelände bemalt. So wie die Schule wächst, soll auch die Wand wachsen.

 

 

 

2. Tag, Sonntag
Von Kigali, der saubersten Stadt Afrikas bis zu Mavuno, dem Projekt

Tatsächlich holt uns pünktlich um 8.30 Uhr ein Fahrer vom Guesthouse ab. Was einem auf den ersten Blick bei der Durchquerung Ruandas mit ca. 13 Mio. Einwohnern auffällt, ist das ordentliche und saubere Straßenbild. Fahrer Theo erzählt uns, dass seit über 10 Jahren die Einfuhr, Verwendung sowie Herstellung von Plastiktüten und -verpackungen mit wenigen Ausnahmen verboten ist. Stattdessen werden Papiertüten oder Bananenblätter verwendet.

 

 

Darüber hinaus gibt es am Ende eines jeden Monats den Cleaning-Day. Alle Bewohner sind verpflichtet an einem Vormittag ihre Gegend sauber zu machen. Die Kinder lernen bereits in der Schule über Umweltschutz und den Umgang mit Müll. 24 Jahre nach dem Genozid gilt Ruanda als eines der fortschrittlichsten Länder in Ostafrika und Kigali damit als sauberste Stadt Afrikas. Die Stadt möchte bis 2040 als Singapur Afrikas gelten.

Außerdem sehen wir auf unserem Weg durch Ruanda viele Straßenbaustellen. Theo erzählt von einem besseren Warentransport, wodurch auch wir auf ungewöhnlich vielen Asphaltstrecken fahren können. Für uns fühlt es sich dadurch noch gar nicht so an, als wären wir in Afrika angekommen. Wir sind ein anderes Straßenbild gewöhnt

 

 

Am Grenzübergang treffen wir auf Charles, den Projektleiter von Mavuno – eine Selbsthilfeorganisation von Bauern für eine nachhaltige Landwirtschaft. Er wartet geduldig bis wir eine Stunde später unser Visa erhalten haben. In Tansania sieht man eine andere Seite von Ostafrika. Sehr bald verlassen wir die Asphaltstraßen und setzen unsere Reise auf den roten Pisten fort. Wir fahren durch einen erst kürzlich gegründeten Nationalpark in der Hoffnung die fünf ausgesetzten Löwen und Giraffen zu sehen. Was durch den Fahrstil von Charles, der die Straßen anscheinend als Rallyestrecken interpretiert, jedoch nahezu unmöglich ist.

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Gegen 18 Uhr kommen wir endlich bei Mavuno an. Zuerst begrüßt uns ganz herzlich Klara, eine Schwester von Charles. Hier wird Melanie wie jedes Jahr bei Mama Bahati wohnen. Sie gehört schon mit zur Familie. Wir überreichen Charles zwei Fotodrucke von einem Kunstprojekt, welches wir an der Mavuno Girls Secondary School 2017 umsetzten.

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Anschließend geht es für uns weiter, um einen Blick auf den neu errichteten Waisenhauskomplex zu werfen. Ursprünglich war geplant, die Einweihung mitzuerleben, da u.a. Marafiki wa Afrika e.V. mit Marians Hilfe den Bau ins Leben gerufen und finanziert haben. Jedoch war es vor allem durch Probleme beim Geldtransfer zu Verzögerungen der Fertigstellung gekommen. Nun soll das Waisenhaus im Dezember zunächst für 70, später für über 300 Kinder eröffnet werden. Letztendlich erreichen wir das Volontär-Haus von Mavuno, in dem wir drei neben Marianne, eine Schwedin im Auftrag von Ingenieure ohne Grenzen e.V. und Barbara, ein kürzlich eingetroffene Volontärin, unterkommen. Zum Abendessen treffen auch noch Sabine, Marina und Michael aus Deutschland ein.

 

 


1. Tag,
Samstag
Ankunft in Afrika

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Auf unserer Reise zu Mavuno in Kagera / Tansania, einem Projekt von und für Bauern zur Sicherung ihrer Ernährung und Bildung, fliegen wir, Marian und Jessica, zunächst nach Kigali, Ruanda. Dort angekommen erhalten wir erst einmal unser nasses Gepäck, wie wir bereits nach einem siebenstündigen, regnerischen Aufenthalt in Äthiopien vermutet hatten. Also heißt es schnell in das bemerkenswert, gute Guesthouse zu fahren, um unsere Klamotten aufzuhängen und zu trocknen. Danach geht es gleich mit sogenannten Pikipiki´s, Motorrad-Taxis, in das kleine Inema Arts Centre weiter. Ein Projekt für persönliches, soziales und wirtschaftliches Wachsen der hiesigen Künstler. Auf einem bunten Markt finden wir schließlich auch etwas zu Essen: Sambusa/ leckere, dreieckige Teigtaschen – natürlich mit lautstarker HipHop Beschallung von der Straße gratis. Im Guesthouse zurück treffen wir Abends auf Melanie und Robert.

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Mehr Fotos und aktuelle Arbeiten von mir gibt es immer hier zu sehen.
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