„Bildest du eine Frau aus, bildest du eine ganze Nation.“
(Afrikanisches Sprichwort)

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Eröffnung der Mavuno Girls Secondary School
Erste Januar Woche 2016. Das neue Schuljahr beginnt. Die ersten Schülerinnen beziehen ihre Schlafräume und sind gespannt auf die ersten Unterrichtsstunden.

…unser Tagebuch veranschaulicht den ersten Projektschritt, den wir im November/Dezember 2015 in Tansania durchführten. Anfang Dezember 2016 werden wir wieder nach Tansania für die Fortführung des Projektes reisen. Bis dahin werden wir von Deutschland durch Marafiki wa Arika e.V. und Spring of Help e.V das Projekt unterstützen. Es wird verschiedene Ausstellungen und Workshops geben, die durch das Fotoprojekt und die Arbeit in Tansania entstanden (Termine und Lokalitäten werden ebenfalls hier bekannt gegeben) und bei denen die Werke verkauft werden. Mit dem Erlös kann bereits der Bau des Waisenhauses beginnen.

Für ältere Beiträge einfach runterscrollen 😉

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/freising/vortrag-von-marian-kretschmer-hilfe-fuer-waisenhaus-1.2829261

http://www.merkur.de/lokales/freising/freising/freising-wunderbares-werk-6027668.html

Pressetext_SAECHSISCHE_KUNST_IN_TANSANIA

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Auf dem Weg zurück …

Montag, der 14.12.


Heute Vormittag hatten wir die Gelegenheit noch die verschiedensten Mavuno-Bauern zu besuchen. Mavuno, als lokale Nichtregierungsorganisation, hat derzeit gut 2000 Mitglieder in 9 verschiedenen Dörfern in der Kagera Region (nächstes Jahr kommt ein 10. Dorf dazu). Die Bauern können durch einen Mitgliedsbeitrag von umgerechnet, monatlich 90Cent, die verschiedensten Angebote von Mavuno wahrnehmen. Im Mittelpunkt der landwirtschaftlichen Projekte steht die Vermittlung von Bildung und dadurch die Verbesserung der Lebenssituation der Familien. Hierzu gibt Mavuno Seminare zu Themen wie, richtige und nachhaltige Feldbewirtschaftung, neues Saatgut erwerben und weiter geben, Schutz der Umwelt, Verwendung organischer Stoffe als Düngemittel, Schutz vor Eruption, nachhaltige Aufforstung und vor allem: wie kann ich mit meinem neu erworbenen Wissen, das Leben der gesamten Gesellschaft verbessern.
Ein Bauer, den wir besuchen, ist seit 4 Jahren Mavuno Mitglied und konnte sein Erträge so verbessern, dass er auch mit der Tierhaltung begann (erst Hühner, dann Ziegen und schließlich Kühe). Dadurch hatte er die Möglichkeit, so viel Bargeld zu verdienen, dass er sein Haus renovieren konnte und wiederum neues Saatgut erwerben konnte. Neben Kochbananen, Kohl, Ananas, Mangos, Orangen und Zuckerrohr, finden sich auch Papaya und Physalis auf seinem Shamba (= Feld). Auch seine beiden Kinder helfen mit und haben schon einen eigenen kleinen Übungsgarten. Auch kann er mittlerweile seine Nachbarn in die Feldarbeit miteinbinden und ihnen ein Gehalt zahlen. Er möchte als Vorbild dienen und gehört derzeit zu den 14 Mavuno-Bauern, die so ausgebildet wurden, dass sie als Multiplikatoren dienen und wiederum andere Bauern unterrichten und begleiten.
Wir sehen große Unterschiede zwischen den Mavuno-Bauern, die schon einige Jahre dabei sind und den sehr abgelegenen Dörfern, die gerade erst neu ins Projekt integriert wurden. Hier sind wir für einige Kinder wohl die ersten Weißen und wieder DIE Attraktion. Danach hielt Marian noch seine Abschlussrede in Kiswahili vor dem gesamten Mavuno Staff und war ganz stolz auf seine deutliche Aussprache… bis er vom stellvertretenden Mavuno Leiter gefragt wurde, ob er das Gebet, das er gerade vorgelesen habe, bekommen könnte. …Hm, irgendwas wurde da wohl falsch verstanden.

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3. Advent mit Bananenglühwein und Lebkuchen

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Sonntag, der 13.12
Nach einer durchzechten Nacht mit jeder Menge Fanta, Cola und Sprite lassen wir heute den Morgengottesdienst sausen. Gestern Abend feierten wir noch Franzisca’s 26. Geburtstag und da es ihr letzter Geburtstag im Elternhaus war, sollte es ein besonderes Fest werden. Nach der Hochzeit nächstes Jahr wird gesellschaftlich erwartet, dass sie ihr elterliches zu Hause verlässt und nun zur Familie des Mannes gehört. Obwohl sich die gesellschaftlichen Strukturen und Regeln dahingehend verändern, ist es normal, dass die Frauen zu ihren Männern ziehen. Auch deshalb suchen sich viele junge Frauen, die teilweise in ganz anderen Landesteilen zur Schule gingen oder studierten, Männer aus ihren Heimatregionen und von ihrem Stamm. Um zumindest auch in der Nähe der eigenen Eltern bleiben zu können. Vor nicht allzu langer Zeit war es auch üblich, dass Frauen bei ihrer Hochzeit nicht lachen durften und den Blick immer gesenkt halten mussten….um so die Trauer über den Abschied von ihrer Herkunftsfamilie zu zeigen. Auch hier gilt, dass diese Regeln langsam aufweichen… als ein richtiges Freudenfest in unserem Sinne, scheint eine Hochzeit aber immer noch nicht.
Generell gibt es bei Feiern eine feste Abfolge und einen Vorstand, der diese festlegt und bestimmt wann was gemacht wird. Melanie erfuhr gestern 5 min vorher, dass sie diese Rolle an Franzisca’s Geburtstag übernehmen sollte. Demnach wird mit einem Gebet eingeleitet, dann gibt es Soda und Essen (hier immer nach der Regel, so viel wie möglich), dann Geschenkübergabe, Kuchen, Tänze…auch hier mit festen Ritualen, wie z.B. die Geschenkübergabe abzulaufen hat. Auch dass jeder eine kleine Rede hält wird erwartet.
Am heutigen Nachmittag sind wir noch bei Charles eingeladen und werden nach allen Regeln der tansanischen Gastfreundschaft verwöhnt.
Später übt Marian schon an seiner Verabschiedungsrede in Kiswahili, die momentan noch nach einer Mischung aus sächsisch und japanisch klingt, aber nach dem aktuellen Stand durchaus für Erheiterung sorgen könnte.
Der erste Projektschritt, das Bemalen der Wand an der Schule, ist vollbracht und Marian verabschiedet sich am Abend vorerst von seinem Gemälde….tutaonana tena

Samstag, 12.12.
Da Opodo es uns nicht leicht macht (durch eine Flugänderung bzw. Verlängerung um 2,5h und so eine unrealistische Umstiegzeit von 30min beim Rückflug in Brüssel) sind wir am Vormittag damit beschäftigt herauszufinden, ob wir am Mittwoch überhaupt zurück nach Deutschland kommen. Wir lassen uns überraschen.
Anschließend geht es um Leben und Tot….zumindest des Huhnes für Franzisca’s Geburtstagsfeier am Abend, und wir können uns direkt vorstellen heute noch zu bekennenden Veganer zu werden.
Am Nachmittag besuchen wir zwei Kinder, die bereits im Needy Children Patenschaftsprojekt von Marafiki wa Afrika sind und im Januar auf die Sekundarschule von Mavuno gehen werden.
Das Schulsystem in Tansania ist angelehnt an das britische Schulsystem mit:
7 Jahre Grundschule: Standard 1 bis 7
Anschließend:
Sekundarschule: Form 1 – 4 = vergleichbar Realschulabschluss
Sekundarschule: Form 5 – 6 = vergleichbar Abitur
Ein Schuljahr beginnt immer im Januar.
Während der 7 Jahre Grundschule muss nach der 4. Klasse eine Prüfung gemacht werden. Alle Kinder gehen erst einmal weiter in die 5. Klasse. Sie erfahren aber erst im Februar ob sie bestanden haben, wenn nicht müssen sie wieder zurück in die 4. Klasse.
Nach der 7. Klasse können sie 3 Wunsch-Sekundar-Schulen (mit entsprechenden Schwerpunkten) angeben. Je nachdem, ob und wie gut sie bestanden haben, bestimmt der Staat auf welche Schule sie gehen dürfen.
Private Schulen können selbst ausgesucht werden (die Grundschule muss aber erfolgreich abgeschlossen sein).
Nach Form 2 gibt es eine kleine Zwischenprüfung, die sie bestehen müssen (sonst muss das Schuljahr wiederholt werden).
Nach Form 4 gibt es dann eine große Prüfung. Hier kommen die Ergebnisse erst im April-Juli oder auch noch später. Im August startet hier das neue Schuljahr (Advanced mit Form 5). Wenn sie die Prüfung nach Form 4 nicht bestehen können Sie nach einem Jahr Pause die Prüfung wiederholen. Bestehen sie dann, können sie weiter auf Form 5 (dann aber eher auf eine Privatschule). Bestehen sie auch beim 2. mal nicht, so ist hier Schluss. Eine Ausbildung (z.B Handwerksberuf ist möglich). Nach erfolgreichem Abschluss von Form 4 kann z. B ein Diplom als Grundschullehrerin erworben werden.
Nach Form 6 kann jede Universität besucht werden.

Freitag, der 11.12.
Gestern beim Abendessen sorgte ein Gecko mit einem Special Stunt auf Marians Schulter noch für Aufregung (wohl beiderseits). Alles genauestens beobachtet von einer Eule mit einer Flügelspannweite von ca. 1,50cm, die irgendwann über uns hinwegflog.
Der heutige Morgen begann dann aufgrund einer verstopften bzw. überlaufenden Toilette gleich mit einer neuen Herausforderung.
Später fand die wöchentliche Mavuno Teamsitzung und anschließend eine separate Needy Children Sitzung statt. Was Melanie wieder an die klassische Büroarbeit aus der Heimat erinnerte und sie sich jede Menge neuer Arbeit mitnahm. Marian machte noch einige Grundierungstests für einen zukünftigen Workshop mit den Patenkinder.
Dazu lief natürlich Bongo Flava , die weit verbreitete und überall beliebte Musik in Tansania (Ubongo = Gehirn, Flava = Ableitung des engl. flavour). Eine Mischung aus amerikanischen hiphop Beats, traditionellen Rhythmen, Gesang und Rap in Kiswahili. Die Texte sind vorwiegend gesellschaftskritisch, politisch, aber auch aufklärend über Themen wie Aids, Frauenrechte und dem Recht auf Bildung. Bongo Flava ist eines der wenigen Medien, bei dem die bestehenden Strukturen in Tansania und Ostafrika öffentlich hinterfragt werden dürfen.
Nach dem Mittagessen mit den Mavuno-Leuten machen wir uns auf nach Omrushaka, um solche Delikatessen wie Pulverkaffee, Milch in Plastiksäckchen, Honig und Schokokekse zu kaufen (die sich zur Hälfte als Orangenkekse entpuppen)… zurück zu Hause zelebrieren wir unser Festmahl bzw. Kaffee.

…und noch ein paar freie Scribbles:

Donnerstag, der 10.12.15


Nach dem Frühstück warten wir am Mavuno Office auf die Teilnehmer am Fotoprojekt. Nach und nach trudeln sie ein und der Pick up fährt gut gefüllt mit 20 Menschen ab zur Schule. Dort angekommen sind Marian und Melanie erst einmal beschäftigt ihre Taubheitsgefühle an den Beinen und Hinterteil zu kaschieren (so eine 30min Sitzposition auf einer Pobacke sind wir einfach nicht gewohnt). Charles stellt uns noch einmal vor und erklärt den Leuten, den Sinn und Zweck des Fotoprojektes. Dann geht’s los und irgendwie kommen aus allen Ecken noch die dort tätigen Handwerker gelaufen und wollen mitmachen.
Im Anschluss daran können es die Leute kaum erwarten das Schulgelände zu besichtigen.

Die Schule steht kurz vor der Eröffnung, obwohl noch weitere Klassenräume in der Bauplanung sind. Aktuell gibt es zwei Komplexe mit Schlafräumen, einen mit Klassenzimmer, ein Labor für den Chemie und Physikunterricht, ein Lagerhaus und eine Küche mit Speisesaal. Es wird auch angedacht, dass Freiwillige vor allem aus Deutschland hier arbeiten und übernachten können – deshalb ein Volunteerhaus. Auch gibt es einige Lehrerwohnungen. In Tansania ist es normal, dass die Lehrer mit ihren Familien bei den Internatsschulen direkt auf dem Gelände wohnen.
Die Mädchen werden Kiswahili, Englisch, Chemie/Physik, Geografie, Sozialkunde, Geschichte, Sport, Mathematik und Religionsunterricht bekommen. Landwirtschaft wird in Tansania an jeder Schule als reguläres Unterrichtsfach gelehrt. Fehlt wohl nur noch der Kunstunterricht!?

Zurück geht’s, mit ähnlichem Sitzplatz-Komfort wie auf dem Hinweg, zu Mavuno, wo ein leckeres Essen auf uns wartet.
Am Nachmittag sind wir entspannt dabei die Fotoergebnisse durchzuschauen, während der Regen uns ein Konzert auf dem Wellblechdach gibt.

Mittwoch, der 09.12.15
Heute ist „Uhuru“, ein Feiertag, der sogenannte Unabhängigkeitstag. Tansania wurde, nachdem es bis 1919 eine deutsche Kolonie ( Deutsch-Ostafrika) und dann unter britischem Mandat stand, 1964 eine unabhängige Präsidialrepublik. Präsident Nyerere leitete die anfangs sozialistisch geprägte Amtszeit ein. Erst vor kurzem waren Neuwahlen und Präsident John Magufuli von der CCM Unabhängigkeitspartei wurde gewählt. Er will neue Wege bestreiten und vor allem die Armutsschere zwischen Arm und Reich verkleinern. Am heutigen Feiertag hat er zur Arbeit im Sinne der Reinigung von Haus und Umwelt aufgerufen.

Wir gehen zu Fuß nach Chonyonyo um noch ein paar Fotos und Videos an der Schule zu machen. Ganz im Sinne der Regenzeit, wird es aber eine nasse Angelegenheit und wir versuchen unter einem vielversprechend aussehenden, aber leider sein Versprechen nicht haltenden Baum, Schutz zu suchen ….und unser provisorisches Zelt (=Poncho) aufzubauen. Die Straße verwandelt sich in rote Sturzbäche und wir bekommen jede Menge Mitfahrangebote…nur leider in die falsche Richtung. Aber mit den Argumenten „es wird schon heller… es ist ja nur ein Gewitter und …irgendwann ist man nass genug, dass es egal ist“… halten wir uns gut eine Stunde bei Laune. Zum Glück kommt dann doch noch eine Mitfahrgelegenheit, die uns die letzten paar Kilometer in die richtige Richtung mitnimmt.

Zurück bei Mavuno kochen wir gemeinsam mit Benitha Spagetti. Benitha ist eines der ersten Paten-Waisenkinder, die Melanie vor 10 Jahren im Rahmen des Patenschaftsprojektes von Marafiki wa Afrika e.V an eine deutsche Patin vermittelt hat. Mittlerweile ist sie 18 Jahre alt, hat nach den 7. Jahren Grundschule nun auch die 4 Jahre Sekundarschule abgeschlossen und wartet nun auf die Ergebnisse. Wenn diese gut genug sind, kann sie weitere 2 Jahre auf der Sekundarschule gehen und mit einem Abitur abschließen bzw. entsprechend studieren. Derzeit macht sie ein Praktikum bei Mavuno und leistet uns oft Gesellschaft. Für Melanie ist es unglaublich schön, zu sehen wie aus Benitha eine selbstbewusste, junge Frau geworden ist, die jetzt schon weiß, dass sie später einmal bei der Caritas arbeiten will und ihr erstes Kind Marian taufen wird 😉

Dienstag, der 08.12:
Heute steht auf dem Programm mit Franzisca und Melanie einige Promotion Fotos für das „The rise of the the sleepwalkers“-Projekt anzufertigen. Unser Frühstück besteht aus kulinarischen Highlights und wir haben die Wahl zwischen verschimmelten Brot, angebrannten Süßkartoffeln und verbrannten, nicht aufgegangen Mandazi (Hefegebäck). Da unsere Geschmacksnerven vom vielen Tangawizi (Ingwer) im Chai eh abgetötet sind, ist das aber kein ernsthaftes Problem und wir machen uns gut gestärkt auf zur Schule. Nach erfolgreicher Arbeit fahren wir zurück mit dem Taxi. Zu fünft auf der Rückbank sitzt man gut fixiert bei jedem Schlagloch auf der ungeteerten Feldstraße. Und weils grad so gemütlich ist fährt unser Taxifahrer noch ein paar extra Runden aus, um seinen Kumpels zu zeigen, dass er Weiße mit an Bord hat. Heute ist bei Mavuno außerdem eine neue Freiwillige aus Deutschland angekommen, die als Schreinerin ein Jahr beim Bau der Schulmöbel mithilft. Wir machen am Nachmittag noch einen Ausflug zur Bank in Kayanga…wo man durchaus ein bis zwei Stunden verbringen kann, um Geld zu wechseln. Pole Pole

Montag, der 07.12:
unsere letzte Woche ist angebrochen und wir haben noch viel vor. Marian gibt den Figuren an der Wand den letzten Feinschliff. Melanie hat unterdessen einige Gespräche über das Needy Children Projekt im Mavuno Office. In Tansania ist die Herangehensweise, wie Themen besprochen werden sehr anders. Generell wird in der Kultur sehr viel indirekt kommuniziert, was für unsereins oft schwer zu entschlüsseln ist. Diese Art der Kommunikation hat eine lange Geschichte… die Sprüche in Kiswahili, die auf die Kangas (Stoffe, die die Frauen tragen) geschrieben werden, sind manchmal religiös, beinhalten aber auch Wünsche, Ängste und Warnungen, die man in verschlüsselter Form nach außen tragen möchte. Bei Besprechungen und Versammlungen wird für gewöhnlich nie gleich auf den Punkt gekommen. Es muss erst eine Harmonie für die Gruppe hergestellt werden, bevor überhaupt über die eigentliche Sache diskutiert werden kann. Deshalb können Besprechungen viel Zeit in Anspruch nehmen und die ersten paar Stunden verbringt man damit sich vorzustellen und zu bedanken. Auch Konflikte sollten nicht offen und direkt nach außen getragen werden.
Am Abend lädt Charles uns noch zu einem feinen Abendessen nach Kayanga ein. Wir bekommen noch viele aktuelle Infos zu Mavuno und planen das nächste gemeinsame Projekt und die Reise.

Sonntag, der 06.12:
Auch hier ist Sonntag ein Ruhetag… nicht aber für Marian, der sich nach dem Frühstück zu Fuß die gut 13km auf zur Schule macht… weil eben die Fahrer heute frei haben. Dabei hat er die Gelegenheit Begegnungen zu machen, Gespräche mit den offenen, interessierten Menschen zu führen und die verschiedenen Pflanzen und Gerüche wahrzunehmen. Viele der Menschen sind am Morgen auf dem Weg zur Kirche. 43% der Tansanier sind Christen, 38% Moslems, der Rest andere Religionen. Wobei die Muslime vor allem an der Küste und auf Sansibar leben, wo viele Seereisenden und Händler in früheren Zeiten ihre Religion mitbrachten und verbreiteten. Hier in der Kagera Region sind sehr viele Katholiken. Auch deutsche Missionare waren im Innland sehr aktiv, lehrten den katholischen Glauben, verschriftlichten Kiswahili bzw. hielten die Grammatik fest und unterrichteten es. Egal ob katholisch, protestantisch oder muslimisch…jede Religion steht zusätzlich noch unter dem Einfluss der Naturreligionen. So glaubt jeder an übersinnliche Kräfte und Hexerei. Auch Wunderheiler, sogenannte „Mganga“ gibt es überall und sie werden bei Krankheiten und Problemen oft als erstes zu Rate gezogen. Sonntag ist auch der Tag, an dem man sich schick kleidet und Freunde, Verwandte, Bekannte besucht. Gäste zu haben ist eine Ehre und es gibt oft Karanga (Erdnüsse), Soda und Kahawa (Kaffeebohnen zum Kauen). Auch Melanie macht sich mit Benitha auf um Mzee Majura zu besuchen. Sie kennen sich nun seit über 10 Jahren und ein Besuch bei ihm steht immer auf dem Programm.

Samstag, der 05.12:
Leo ni siku ya mapumziko… was so viel heißt wie, nach einer arbeitsreichen Woche, genehmigen wir uns heute einen freien Tag. Wir machen uns, nach dem Frühstück, zu Fuß auf nach Omrushaka. Die 4-5 km an der Piste führen uns vorbei an den vielen Feldern der Bauern.
Die Kagera Region ist eine der Hauptregionen für den Bananenexport ins ganze Land. Die Bauern legen hier meist eine Mischkultur an, um den Boden bestmöglich zu nutzen. Das bedeutet, daß zwischen den Bananenbäumen auch Bohnen, Ananas, Maniok, Kaffee und vieles mehr angebaut wird. Auch kann sich eine Familie dann vielseitiger ernähren. In Omrushaka laufen wir über den Markt, ziehen viele Blicke auf uns und reden mit den Leuten. Für die Menschen hier wird Gastfreundschaft ganz groß geschrieben. Wenn ein Fremder so weit reist, ist es eine große Ehre ihn hier zu haben und es wird alles dafür getan, dass es ihm gut geht. Die Menschen sind unglaublich interessiert und freuen sich über jede kleine Unterhaltung. Wir fahren noch weiter nach Kayanga, laufen auch hier über den Markt, kaufen wieder gut Stoffe ein und essen zu Mittag.
So viel zu essen, dass Melanie in die wunderschönen Kleider am Markt passt (siehe Foto), schafft sie aber wohl nicht. Das Schönheitsideal ist hier dann doch etwas anders als bei uns. Dick sein bedeutet gesund sein, gut aussehen und sich etwas leisten können. Irgendwann gewöhnt man sich daran als Kompliment ein „Mensch, du bist aber fett geworden“ zu hören. In diesem Sinne; Karibu chakula!

Freitag, der 04.12.:
Rauf auf den Pickup und ab zur Schule…..es warten immer noch jede Menge Figuren an der Wand darauf die richtigen Kleider zu bekommen.

Melanie Trifft dabei die Vorbereitungen für den nächsten, wichtigen Projektschritt: wir wollen das Gemälde als Grundlage für künstlerische Fotografien mit den Menschen hier verwenden. Idealerweise ist immer Freitags die Mavuno-Teamsizung. Mavuno hat das Privileg viele sehr gut ausgebildete Mitarbeiter zu haben. Vier davon sind die Söhne des Gründers – so ist Charles Bahati (Projektleiter) als der älteste Sohn in die Fußstapfen seines Vaters getreten. Jeder im Team berichtet über den aktuellen Verlauf seines Arbeitsbereichs. So stellt die Sekretärin vor, wer mit welchen Anliegen in’s Mavuno Büro kam und was unternommen wurde. Auch wird über den aktuellen Stand der Schule berichtet (Gebäude, Möbel, Küchenausstattung, Vorbereitung der Felder und des Gartens, weil sich jede Schule selbst versorgt). Wir erfahren noch etwas zu den landwirtschaftlichen Projekten, wie die Biogasanlagen, Solarprojekte, Aufforstungsprojekte, Seminare für die Bauern etc. Der Zuständige des Kleinkreditprogrammes berichtet über Zahlen und Projektverläufe und auch im Needy Children Projekt gibt es viele Neuigkeiten. Schließlich bekommt Melanie das Wort und erklärt zusammen mit Charles, wie dieIdee des Kunstprojektes entstand, wie das Konzept aussieht und gibt den Termin für das Fotoprojekt bekannt.
Glücklicherweise findet die Sitzung in Kiswahili statt, so dass auch Melanie dem Gesagten folgen kann. Da in Tansania 120 verschiedene Sprachen gesprochen werden (und wir reden hier von Sprachen, nicht von Dialekten wie Bayrisch und Sächsisch) verwenden die Menschen im Alltag oft ihre Stammessprache… was hier in der Gegend Kinyambo ist. Kiswahili ist die übergeordnete Sprache, in der sich alle Tansanier unabhängig von Stamm und Gebiet aus dem sie kommen miteinander unterhalten können. Diese gemeinsame, verbindende Sprache wird als ein wichtiger Indikator für ein friedliches Miteinander in Tansania gesehen.

Als Marian und Mathias ihre Arbeit am Abend beenden, gibt Adam uns noch eine Führung übers Schulgelände und zeigt uns neben der Schulküche, den Lehrerwohnungen, dem Gewächshaus und Feldern, sowie den Klassenzimmern und Schlafsälen auch noch die Biogasanlage. So soll die Schule das Gas, das zum Kochen benötigt wird, selbst herstellen und organische Überreste können ideal genutzt werden. Kwa mwisho ya siku tumekynwa bananawine moto (die Übersetzung darf sich jeder selbst überlegen 😉

Donnerstag, der 03.12.
Mittlerweile schon routiniert machen sich Marian und Mathias nach dem Chai auf zur Schule. Auch Charles Bahati, der Projektleiter von Mavuno ist von seiner 4 wöchigen Deutschland-Tour zurück gekommen und begrüßt uns freudig. Das Ziel ist heute einzelne Figuren weiter auszudifferenzieren und die Kleidung zu malen…als Vorlage dienen hier die von Melanie gekauften Stoffe.
Melanie Besucht unterdessen 3 von insgesamt 9 Grundschulen, die im Mavuno Needy Children Projekt integriert sind. „Needy Children“ bedeutet „bedürftige Kinder“. Mavuno hilft hier vor allem Waisenkinder, denen es sonst finanziell nicht möglich wäre eine Schule zu besuchen. Marafiki wa Afrika e. V. aus Deutschland unterstützt seit 10 Jahren innerhalb dieses Projektes knapp 200 Kinder mit Patenschaften (Siehe auch www.marafiki.de). Ziel ist, dass auch viele dieser Waisenkinder nach Abschluss der Grundschule auf die Sekundarschule in Chonyonyo gehen können. Aktuell wurde mit den Kindern ein landwirtschaftliches Projekt begonnen, bei dem die Kinder lernen sollen, wie und was man in einem Garten anbaut, wie man die Ernte verbessern kann und auch was gesund für die Ernährung ist. Eine Patin aus Deutschland spendete eine extra Summe Geld für dieses Projekt. Auch dürfen sich die Kinder dann Saatgut mit nach Hause nehmen und ihren eigenen Garten anpflanzen. Beinahe jeder hier besitzt ein Feld für den Eigenbedarf, Mavuno will den Kindern eine gute landwirtschaftliche Bildung bieten. Für die Kinder ist heute der letzte Schultag vor den Ferien und das Ende des Schuljahres. Da ist so ein Mzungu (Weiße/r) eine willkommene Attraktion.

Mittwoch, der 02.12: Marian und Mathias machen sich gleich nach dem Chai ya asubuhi (Frühstück) mit jeder Menge Terpentinnachschub auf den Weg zur Schule (zum Ausgleich gibt’s noch ein paar Biobananen mit 😉). Melanie versucht erfolglos herauszufinden, ob der letzte Koffer aufgetaucht ist und macht sich dafür umso erfolgreicher auf nach Omrushaka zum Stoffe einkaufen, die wir dann fürs Fotoprojekt verwenden wollen. Mit einem großen Stapel Kangas und Kitenge (so heißen hier die traditionellen Stoffe) geht’s zurück zu Mavuno. Und die vielen Verkäufer sind nun der Meinung, dass Melanie’s Hochzeit kurz bevorsteht….weil wer so viele Stoffe kauft!? Marian verleiht unterdessen den schlappen 108 Menschen an der Wand Gesichter und Charaktäre. Und so neigt sich ein insgesamt erfolgreicher Tag langsam dem Ende….wir lassen ihn mit einem traditionellen Essen, bestehend aus Ugali (Maisbrei), Reis, Bohnen und von Mama Bahati selbstgebrauten Bananenglühwein ausklingen.

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Dienstag, der 1.12.. Los geht’s….naja nicht ganz so schnell wie ursprünglich geplant, weil Marians Zimmertür nicht mehr aufgehen will. Und darin sind nun mal ein paar Pinsel ohne die wir nicht loslegen können. Aber dank des afrikanischen Erfindungsreichtums und roher Gewalt klappst dann doch irgendwann. Angekommen an der Schule müssen sich nun auch unsere Künstler in afrikanischer Flexibilität üben: nachdem wir Wasser und Mischbehälter vorbereitet haben, stellt sich heraus, dass versehentlich Autolackfarben gekauft wurden. Also nichts mit Wasser, wir brauchen Verdünnungsmittel, von dem nur noch ganz wenig da ist. Für den Anfang, sprich die Grundierung der Figuren, reichts erst einmal und wir können bei 30grad mitten in der Sonne und viel Terpentin entspannt mit der Arbeit beginnen . Gemalt wird nun an einer zentral gelegenen Wand vor einem großen Schlafsaal der Sekundarschule. Noch ist es sehr ruhig auf dem Gelände und die vielen Gebäude der Internatsschüler stehen leer. Im Januar soll mit 7 Lehrern und vorerst 40 Schülerinnen der Schulbetrieb eröffnet werden. Die Schülerzahl soll sich dann in jedem Schuljahr steigern, bis sie mit insgesamt ca.1000 Schülerinnen voll belegt ist. Viele Schülerinnen wird also ihr täglicher Weg in die Klassen am Gemälde vorbei führen.

Montag, der 30.11.2015
Und es ging so weiter: warten und Chai trinken. Bis das Unmögliche geschah. Kenia Ariways brachte übernacht unsere Koffer von Kenia bis in unsere Hotelrezeption…alle…bis auf einen. Indem in erster Linie Laptops verstaut waren. Also machten wir uns auf den Weg Richtung Kagera Region…entlang des Victoriasees, vorbei an Fischern, die Victoriabarsch anboten, wieder einen Grenzübergang, Stempel, Visum, und nach etwa 5 Stunden Fahrt mitten zwischen Bananenbäumen, Kaffeesträuchern und jede Menge lachender, freundlicher Gesichter… wir sind da. Mavuno Office in Ihanda.

Sonntag, der 29.11…. Sitzen und warten am Flughafen Entebbe. Nachdem wir erst in Frankfurt verdächtigt wurden Sprengstoff bei uns zu tragen, sind wir in Nairobi zu spät gelandet und zu unseren Anschlussflug gerannt um pünktlich in Entebbe anzukommen. Leider rannte unser Gepäck nicht mit, da 20 Laptops, die wir für die Secondary School in Chonyonyo dabei hatten, doch ein paar Kilo wiegen. Uns wurde versprochen, dass unsere 5 Gepäckstücke mit einem der vielen Flüge von Nairobi nach Entebbe mitgeschickt werden… nur wann, das konnte man uns nicht verraten. Labda kesho („vielleicht morgen“ auf Swahili). So die klassische Antwort der Afrikaner auf Zeit-Fragen. Hilft nichts: warten und Chai trinken heißt die Devise.

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Am 27.November 2o15 geht’s los…

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